Weltcup und EM in St. Moritz

  • 11. Januar 2026

Am 10. und 11. Januar 2026 wurden die Weltcup-Rennen in St. Moritz zugleich als Europameisterschaft gewertet – und lieferten zwei sehr unterschiedliche Kapitel: ein dominanter Lochner im Zweier und ein Ausrufezeichen von Ammour im Vierer, während Friedrich zwischen starkem Start und bitterem Fehler pendelte.

Zweierbob: Lochner setzt ein Statement – Friedrich bleibt gelassen

Im Zweierbob am Samstag ließ Johannes Lochner / Georg Fleischhauer keinen Zweifel aufkommen, wer auf dem Natureiskanal gerade den besten Rhythmus hat. Mit 2:12.24 Minuten fuhr das Duo Start- und Laufbestzeiten in beiden Durchgängen und gewann mit deutlichem Abstand.

Francesco Friedrich / Alexander Schüller starteten zwar schnell, mussten sich am Ende aber um 0,78 Sekundengeschlagen geben – auf einer Bahn, auf der man normalerweise eher Hundertstel als Zehntel auseinanderzieht. Im ersten Lauf kam Friedrich mit Startnummer vier nicht ideal ins Rennen, im zweiten Durchgang griff er am Startbügel mit der rechten Hand vorbei.

Friedrich ordnete das Ergebnis entsprechend nüchtern ein: Im Zweier gebe es „noch Hausaufgaben“, das System müsse noch besser greifen – und Richtung Olympia würden die Karten ohnehin neu gemischt.

Ergebnis Zweierbob – Weltcup/EM St. Moritz (10.01.2026):
Lochner / Fleischhauer (GER) – 2:12.24 Minuten
Friedrich / Schüller (GER) – +0,78 Sekunden
Hall / Lawrence (GBR) – +1,19 Sekunden
Jinsu Kim / H. Kim / B. Chae (KOR) – +1,24 Sekunden
Vogt / Ndiaye (GER) – +1,38 Sekunden

Viererbob: Ammours Lauf des Wochenendes – Friedrichs Patzer kostet alles

Am Sonntag wurde es im Viererbob dramatisch – und aus deutscher Sicht gleich doppelt spannend. Denn zur Halbzeit führte Lochner hauchdünn, doch dann kam der Moment, der dieses Rennen kippte: Adam Ammour zündete im zweiten Lauf eine Fahrt, die man auf Natureis nicht oft sieht.

Mit 1:04.47 Minuten stellte Ammour den Bahnrekord, zog an Lochner vorbei und holte in 2:09.51 Minuten seinen ersten Weltcupsieg im Vierer – und damit auch den EM-Titel. Der Vorsprung: gerade einmal 0,07 Sekunden. Knapp, aber verdient – weil der zweite Lauf schlicht der stärkste im Feld war.

Lochner musste sich mit Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer mit Rang zwei begnügen (+0,07). Dahinter sorgte Michael Vogt als Lokalmatador mit seinem Team für ein starkes Resultat (+0,55) und EM-Bronze.

Und Friedrich? Der Start war in beiden Läufen wieder schnell – sogar Startbestzeit, doch der entscheidende Wendepunkt kam im ersten Durchgang: Friedrich fuhr gegen das Starteck, der rechte Anschubbügel klemmte, der Einstieg lief nicht sauber – und plötzlich war das Rennen praktisch weg. Aus Platz 14 zur Halbzeit wurde dank starkem zweitem Lauf noch Rang sechs (+0,68), aber die Hypothek war zu groß. Friedrich nahm die Szene auf seine Kappe: kein Pech, sondern ein Fehler.

Ergebnis Viererbob – Weltcup/EM St. Moritz (11.01.2026):
Ammour / Ammour / Tasche / Schaller (GER) – 2:09.51 Minuten
Lochner / Margis / Wenzel / Fleischhauer (GER) – +0,07 Sekunden
Vogt / Hufschmid / Haas / Ndiaye (SUI) – +0,55 Sekunden
Treichl / Stepan / Sammer / Huber (AUT) – +0,66 Sekunden
Baumgartner / Fantazzini / Mircea / Bilotti (ITA) – +0,66 Sekunden

Randnotiz, die hängen bleibt: „Allein runter“ – US-Bob sorgt für Sonderapplaus

Dass St. Moritz seine eigenen Geschichten schreibt, bewies auch eine kuriose Szene im Vierer: Beim US-Bob um Kristopher Horn verloren nacheinander gleich mehrere Anschieber den Halt – am Ende fuhr Horn allein den Eiskanal hinunter. Ohne Crew ist der Schlitten kaum kontrollierbar, das Publikum reagierte entsprechend erleichtert, als alles gut ausging – inklusive Sonderapplaus.