Gesamtsieg zum letzten Karriererennen perfekt

  • 18. Januar 2022

Alle drei Titel im Gesamt-Weltcup 2021/22 verteidigt: Das Bobteam Friedrich hat sich in St. Moritz erneut alle Titel im Gesamtweltcup gesichert. Nachdem Platz eins im großen Schlitten bereits zuvor perfekt war, konnte Rekordchampion Francesco Friedrich vom BSC Sachsen Oberbärenburg im Natureiskanal in der Schweiz auch den Gesamtsieg in der Zweierbobwertung für sich entscheiden. Dann war schließlich auch Gold in der Kombinierten Gesamtwertung gesichert. Die BOBALLIANZ Sachen gratuliert dem Bobteam Friedrich ganz herzlich zum erneuten Triple!

Zusammen mit Thorsten Margis vom SV Halle gewann der Pirnaer am Sonnabend zunächst den finalen Weltcup im kleinen Schlitten. Zudem holten die beiden Doppelolympiasieger auch noch den EM-Titel. Die Europameisterschaften waren im sogenannten Race-in-race-Modus ausgetragen worden.

„Wir sind froh, dass es heute nochmal so gut geklappt hat. Der erste Lauf war sehr gut, am Start waren wir gut dabei“, so Friedrich. Zum guten zweiten Start meinte Margis, der auch bei den Winterspielen in Peking 2022 Olympia-Anschieber für Friedrich in beiden Schlitten sein wird: „Das macht Spaß, wenn einen die jungen Leute ein wenig ärgern und man sich noch steigern kann.“

Das Duo verwies das Duo Johannes Lochner/Florian Bauer (Stuttgart/Ohlstadt) auf den Silberrang. EM-Bronze sicherte sich das russische Team von Rostislaw Gaitjukewitsch. In der Weltcupwertung des Rennens hatte sich Co-Olympaisieger Justin Kripps von Kanada Platz zwei geschnappt – vor Lochner und dem Russen.

Junioren-Weltmeister Gaitjukewitsch überzeugte auch im Viererbobrennen. Er fuhr mit seiner Mannschaft im letzten Weltcuprennen der Saison vor dem Bad Feilnbacher Christoph Hafer den dritten Platz ein und holte damit ein weiteres Mal EM-Bronze. Gold ging nicht an das Bobteam Friedrich.

Der Doppel-Weltmeister aus Sachsen musste sich trotz Bestzeit im zweiten Durchgang zum ersten Mal in dieser Saison im großen Schlitten geschlagen geben. Weltcupsieger und neue Europameister wurden stattdessen Oskars Kibermanis aus Lettland mit seinem Team.

Für das Quartett um Friedrich war es ein sehr emotionales Rennen. Denn nach mehreren Verletzungen bekam Anschieber Alexander Rödiger (BRC Thüringen) noch einmal die Gelegenheit, ein letztes EM- bzw. Weltcuprennen zu bestreiten. Der Ersatzmann schob den Bob seinen Teamkapitäns zusammen mit Alexander Schüller (SV Halle) und Martin Grothkopp vom BSC Sachsen Oberbärenburg an. Rödiger gehörte in seiner lange Karriere 2018 unter anderem auch zum Team vom Oberbärenburger Vize-Olympiasieger Nico Walther, der bereits 2020 mit dem Bobsport aufgehört hatte. Der Oberhofer hatte bereits 2010 auf der Bahn in Whistler Olympia-Silber im Viererbob errungen. Zudem war er unter anderem zweimal Weltmeister.

Nach 17 Jahren war nun für Rödiger endgültig Schluss. Im TV-Interview zeigte sich der 36-Jährige sehr gerührt: „Es ist einfach großartig, dass ich heute die Chance hatte, nochmal mit den Jungs an den Start zu gehen.“

Friedrich ergänzte: „Wir hatten im ersten Lauf ein paar kleine Fehler. Trotzdem konnten wir bis auf Kibermanis alle auf Distanz halten. Wir sind stolz, dass wir Rödi dieses Geschenk noch mitgeben konnten.“ Für Peking macht sich der Titelverteidiger keine Sorgen: „St. Moritz ist so speziell, hier kann so viel passieren. Wir konnten am Ende noch die beste Laufzeit insgesamt erzielen. Das zählt.“

Während Friedrich vor Kripps und Gaitjukewitsch die Saison auch in der Kombinierten Gesamtwertung die Kristallkugel einheimste, belegte Lochner Rang vier. Der Schönauer meinte im Anschluss: „Ich bin jetzt wirklich froh, zwei Wochen zu Hause zu sein, und den Kopf freizubekommen. Dann freue ich mich auf meine letzten Olympischen Spiele. Das wird nicht einfach, die Bahn in Peking ist extrem schwer, alle vier Läufe müssen dann auf dem Punkt passen. Das wird sehr spannend, aber ich habe richtig Bock, dort zu fahren. Und ich möchte natürlich endlich mit einer olympischen Medaille heimfahren.“ Ob er seine Karriere nach China fortsetzen wird, ließ der 31-jährige Lochner offen. Auf die WM 2023 hier in St. Moritz hätte er aber „schon noch richtig Lust.“

In St. Moritz wurden auch bei den Frauen Medaillen vergeben: Im Monobob gab es einen US-amerikanischen Doppelsieg. Kaillie Humphries gewann vor Elana Meyers Taylor und Cynthia Appiah aus Kanada. Mariama Jamanka vom BRC Thüringen wurde Vierte. Das reichte aber, um den EM-Titel unter Dach und Fach zu bringen. Silber holte sich Laura Nolte vom BSC Winterberg vor der Russin Nadeschda Sergejewa. Den Gesamtweltcup erkämpfte sich damit Elana Meyers Taylor.

Doch dabei blieb es nicht. Die routinierte US-Amerikanerin holte auch im Zweierbob die Große Kristallkugel für den Sieg im Gesamtklassement – vor Laura Nolte und der Wiesbadenerin Kim Kalicki. Die Vize-Weltmeisterin aus Hessen hatte zuvor mit Olympiasiegerin Lisa Buckwitz den letzten Weltcup im Zweierbob gewonnen. Auch EM-Gold war damit für Kim Kalicki und die Potsdamer Anschieberin perfekt. Silber ging an Jamanka, Bronze an Nolte. Das deutsche Trio hatte auch alle drei Weltcup-Podestplätze in St. Moritz belegt.

Kim Kalicki, die den Gesamt-Weltcup hätte holen können, wäre sie beim Weltcup in Sigulda gestartet, strahlte im Ziel: „Die Freude überwiegt. Die Pause am Sigulda-Wochenende tat nämlich richtig gut. Jetzt geht’s Vollgas Richtung Peking.“

Kalicki rauschte in ihren acht Rennen sechsmal aufs Podest. Anschieberin Lisa Buckwitz war nicht weniger happy: „Ich bin super-glücklich, mit Kim fahren zu dürfen. Wir wollen in China auf jeden Fall eine Medaille holen.“ Buckwitz war vor wenigen Wochen nach Europacup-Starts an den Lenkseilen auf die Position als Anschieberin zurückgekehrt.

 

(skl/Foto: IBSF/Viesturs Lacis)